Schlendert man die Landstraßer Hauptstraße entlang, bietet sich einem ab dem Rochusmarkt ein eher trauriges Bild. Zwischen Kundmanngasse und Hintzerstraße ist aus vielen Geschäften das Leben gewichen. Wird der Leerstand durch Corona im 3. Bezirk zum Problem? Die bz hat nachgefragt.
Der Uhrenhändler Miksche, eine Kleiderboutique und der ehemalige Tom Tailor gehören auf der Landstraßer Hauptstraße seit Kurzem der Vergangenheit an. “Es ist wirklich schade darum, die leerstehenden Geschäfte machen ein trauriges Bild”, findet auch ein Passant bei einem Lokalaugenschein.
Hohe Nachfrage nach Lokalen
Ist Corona Schuld? Bezirksobmann der Wirtschaftskammer, Klaus Brandhofer, fasst die Situation der Unternehmen in der Landstraße zusammen und zieht seine Bilanz aus den vergangenen Monaten: “Grundsätzlich hat sich die Situation im letzten Jahr nicht wesentlich geändert. Durch die Hilfen und teilweise immer noch laufenden Unterstützungen der Betriebe gab es weniger Schließungen als in den Jahren vor Corona.”
Laut Daten der Wirtschaftskammer ist die Anzahl der freien Lokale im 3. Bezirk über die letzten Jahre stabil geblieben, seit 2011 liegt sie zwischen 30 und 50; aktuell stehen 25 Geschäftslokale im Bezirk leer. “Im März 2020 ist die Nachfrage nach freien Geschäftslokalen zurückgegangen, aber nur kurze Zeit später hat sich die Nachfrage trotz Corona-Pandemie wieder erhöht”, erzählt Brandhofer.
Leerstand kreativ nutzen
Tatsächlich gehört die Landstraße zu jenen Bezirken, in denen Unternehmer verstärkt nach geeigneten freien Geschäftslokalen suchen, das lässt sich aus einem Bezirksvergleich des Service “Freie Lokale” der WK schließen, die Landstraße erreicht Platz 3. Vor allem das Rochusviertel und Wien Mitte sind die am häufigsten nachgefragten Gebiete beim Service.
Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, um leerstehende Lokale und die Grätzeln rundherum zu beleben, und zwar Zwischennutzungsprojekte. Von diesen gibt es im 3. Bezirk aber noch wenig. Das einzig bekannte war die Leerstand Gallery, die im Frühjahr für ein Monat im Erdgeschoß der Beatrixgasse Platz fand. Es gibt auch noch das Packhaus in der Marxergasse. Dieses gehört mit seinen 4500 Quadratmeter zu den größten Start-up-Hubs in Wien. Das ehemals leerstehende Bürogebäude ist heute ein Ort für Künstler, Startups und Jungunternehmer.
Zwischennutzung als Chance
“Erdgeschoß-Zonen können mehr als Einzelhandel. Auch kreative Projekte haben großen Mehrwert und viel zu bieten für unseren Lebensalltag in der Stadt”, so Ulrich Fries von “Kreative Räume”, dem Büro für Leerstandsaktivierung. In Folge der Pandemie beobachtete das Büro zunehmend Leerstand in guten Lagen. Auf Grund der hohen Mieten fallen dort ausbleibende Einnahmen während Lockdown-Phasen wie auch der stark zurückgegangene Städtetourismus besonders ins Gewicht.
“Eine Zwischennutzung lenkt Aufmerksamkeit auf einen Raum und kann so dazu beitragen reguläre Mieter zu finden. Zudem wird durch die Nutzung der schleichende Verfall, der sich in Leerständen vollzieht, aufgehalten”, so Fries. In kostenlosen Beratungen informieren die “Kreativen Räume Wien” Raumsuchende über Angebote und Plattformen hinsichtlich kooperativer Raumnutzung und Leerstandsaktivierung. Sie begleiten Nutzer auch während des Prozesses einer Leerstandsaktivierung nach dem Prinzip “Hilfe zur Selbsthilfe“.
Lesen Sie en Artikel von Hannah Maier hier:
https://www.meinbezirk.at/landstrasse/c-lokales/was-tun-gegen-den-leerstand-im-3-bezirk_a4807326
